Lago Maggiore-Tour Juni 2011

Ab in den Süden - Lago Maggiore Wanderrudertour Juni 2011.

Donnerstag 23. Juli 2011 - wie es sich für Ruderer gehört sind alle TeilnehmerInnen der Rudertour, 10 an der Zahl, pünktlich um 7.15 vor dem Bootshaus.

Der von Dario Gläss organisierte Bus bietet locker Platz für alle Tourteilnehmer und zieht den Bootsanhänger mit „Füferbolle“ und „Heiner“.

Wir fahren den Schleichweg über den Sattel an Winterthur vorbei, durch Pfäffikon (ZH), Wetzikon. Der Himmel ist grau bewölkt, ohne Regen, nicht zu warm, das ideale Reisewetter!

Weiter geht es durch Rapperswil über den Damm nach Pfäffikon (SZ) weiter nach Einsiedeln. Erster Rast oberhalb von Schwyz, kurze Kaffeepause!

Bevor wir wieder in den Bus einsteigen, machen die Männer eine kurze Lichtkontrolle der Fahrzeuge. Die Lichter beim Bootsanhänger funktionieren nicht! Die erfahrenen und technisch bewandten Männer unseres Teams untersuchen den Fall. Es wird viel diskutiert, geprobt und zum Schluss stellt man einen Kurzschluss bei einer Sicherung fest. Mittlerweile funktionieren die Rücklichter des Zugbuses auch nicht mehr! Nur die Bremslichter sind noch aktiv.


Nach reiferen Überlegungen entschließen uns über die Passstrasse zu fahren. Die Durchfahrt durch den Tunnel ohne Licht wäre zu riskant. Zudem wurde auch ein Stau von 2km vor dem Gotthard Tunnel gemeldet. In der katholischen Innerschweiz feiert man Himmelsfahrt, so dass die Autowerkstätten alle geschlossen sind. Dank modernster Technik (iPhone), kann Alfred Feichtinger einen Pannendienst in Altdorf ausfindig machen. Wir fahren problemlos über den Pass, der Verkehr fliesst und die Businsassen geniessen die Bergwelt, die zum Teil im Nebel verschwindet.

Auf der Passhöhe angekommen machen wir eine Mittagsrast im Hospiz und werden mit südlichen Speisen und Wein verwöhnt. Ein Vorgeschmack auf den Süden. Es herrschen jedoch fast winterliche Wetterverhältnisse. Nebel, kühle Temperaturen und an schattigen Orten liegt noch Schnee. Die Ruderwandertour in den Süden hatten wir uns wärmer vorgestellt! Die Kleidung der Teilnehmer war offensichtlich auf warm ausgerichtet. Die Fahrt ging weiter und der Himmel lichtete sich zunehmend. Die Wolken verschwanden allmählich und die Sonne schien immer stärker durch. Die südliche Sonne lächelte uns an und hiess uns willkommen.

Nach fast 10 Stunden kamen wir wohlauf in Pallanza, unsere Destination am Lago Maggiore, an. Dank GPS und Alfred gründlicher Vorab-Erkundung, haben wir auch gleich den „Canottieri Club“ gefunden. Für den Bootsanhänger konnte diskussionslos und schnell einen Abstellplatz gefunden werden. Der Ruderclubpräsident war auch gleich vor Ort und konnte uns den Platz zuweisen.

Nächste Station war dann die Unterkunft – Villa Azalea. Das Hotel befindet sich auf dem Hügel Castagnola in einem Naturpark von 15'000 km2 mit gewachsenem altem Baumbestand und exotischen Pflanzen. Die Villa della Quercia wurde 2010 renoviert und die Ehepartner konnten im ersten Stock die Zimmer mit wunderschönem Seeblick beziehen. Den Singles wurden Zimmer im unteren Stock ohne Seeblick zugewiesen. Alfred hatte sich bemüht für alle Zimmer mit Seeblick zu reservieren, aber die Villa verfügte nicht über ein so grosses Angebot. Wir wollen ja alle den See auf dem Wasser geniessen und nicht von der Ferne betrachten.


Schneller Zimmerbezug, Kleiderwechsel, Packen des Seesackes und ab zu den Booten; dies innerhalb von 20 Minuten. Das Einwassern mit Steg ging auch problemlos. Auf ruhigem Wasser rudern wir zu der Fischerinsel, wo Alfred bereits einen Tisch für uns reserviert hatte. Der See unterscheidet sich vom Bodensee durch die Kulisse der Berge, die Hügel und die tropischen Pflanzen. Es bietet sich ein ehrfürchtiges, wunderschön friedliches und beeindruckendes Panorama. Die Sonnenstrahlen drängen durch den nur noch leicht bewölkten Himmel. Eine fantastische Stimmung. Die Fischerinsel gehört zu den Borromäischen Inseln und liegt ca. 6km entfernt gegenüber von Pallanza. Eine kleine Insel mit einem schmucken Fischerdorf. Das Auswassern der Boote beherrschen wir, und im Team geht alles bestens. Die Frauen eilen zu den Toiletten und kleiden sich adrett für das Abendmahl auf der Terrasse. Nach der langen Fahrt geniessen wir alle zusammen an einem langen Tisch die Ruhe der Insel, die sehr angenehmen sommerlichen Temperaturen, die schmackhaften Fischspezialitäten, die italienischen Weine und die Düfte des Südens. Gardenienblüten berauschen uns mit ihrem verführerischen Duft. Die Zeit geht im nu vorbei und vor Mitternacht treten wir die Überfahrt nach Pallanza wieder an. Wir gleiten durch die stille sternklare Nacht, den Lichtern von Pallanza entgegen. Nach einem langen erlebnisreichen Tag freuen sich alle auf die Nachtruhe in der ehrfürchtigen Villa aus dem 18 Jahrhundert.

Freitag 24. Juni 2011, erster Rudertag auf dem See. Wir machen die Boote startbereit. Es ist alles etwas eng beim Ruderclub. Der Durchgang ist mit Motorbooten und Autos eingeengt, aber die Italiener sind sehr freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Wir können die Boote problemlos und zügig einwassern und beladen. Stahlblauer Himmel und Sonnenschein, was wollen wir mehr. Wir rudern fröhlich los Richtung Leggiuno, Ispra, Ranco. Als wir den Schutz des Festlandes verlassen haben werden die Wellen immer stärker; es bildeten sich Schaumkronen. Immer mehr Wasser schabt ins Boot. Vor allem kam der „Füferbolle“ ohne Abdeckung stark in Bedrängnis. Wir mussten immer wieder mal anhalten und mit Hilfe der zerschnittenen Petflaschen das Wasser aus dem Boot schöpfen. Mit Bravour und vereinten Kräften haben wir die Überfahrt gemeistert. Immer zuversichtlich gerudert, und das gegenüberliegende Festland in Sicht. Wir stranden glücklich auf dem Festland und gleich vor einem „Ristorante“! Die Boote dienen als Trocknungsständer für die nassen Kleider und bei einem Espresso wird die Lage und das weitere Vorgehen besprochen. Ein sehr freundlicher Kellner klärt uns über die Windstärke des Tages auf, und gibt uns wichtige Ratschläge. Es gibt zwei Varianten: Besichtigung der Felsenkirche St. Catarina mit10 Min. Fussmarsch oder weiterrudern. Wir stimmen alle für die zweite Option und können bei relativ ruhigem Wasser unter Land unsere Fahrt bis nach Ispra fortführen.

Es ist mittlerweile schon nach 13.00 Uhr und bei manchen Teilnehmern knurrt der Magen. Es werden wieder verschiedene Varianten für die Mittagsrast diskutiert. Und kurz entschlossen gehen wir in Ispra an Land. Es gibt ein kaltes aber sehr genussvolles Mahl und gestärkt treten wir die Überquerung nach Belgirate an. Ursprünglich war die Route bis Ranco vorgesehen, aber wegen den anfänglichen Turbulenzen auf dem See, haben wir etwas abgekürzt. Wir rudern individuell der Küste entlang, vorbei an Stresa zwischen den Borromäischen Inseln hindurch, zurück nach Pallanza.

Samstag, 25. Juni 2011, zweiter Rudertag: Wiederum haben wir einen strahlend blauen Himmel über uns. Es ist wieder ein sonniger, warmer Tag angesagt. Der Wettergott meint es sehr gut mit uns. Beim Einwassern der Boote bemerkt Alfred, dass der Messingstab beim „Heiner“-Steuer verbogen ist.

Zum Glück gibt es in der Nähe eine Schiffswerft. Und dank dem hilfsbereiten Hafenchef, können die Männer den Schaden gut beheben. Die gleichen Teams wie am Vortag, aber mit Bootswechsel, rudern Richtung Luino. Die Geschwindigkeit ist ziemlich ausgeglichen und wir rudern gemeinsam zuerst der Küste entlang bis nach der Fähre Intra – Laveno. Vor der Seeüberquerung treffen wir eine kurze Absprache: Das Wasser sieht ziemlich ruhig aus und wir wagen die Überquerung. Sobald wir uns vom Festlang entfernen wird der See rauer, die Wellen grösser aber kein Vergleich zum Vortag. Es ist sicher nicht kritisch und wir brauchen auch nicht zu schöpfen.

Weiter geht die Ruderfahrt der Küste entlang Richtung Luino. Diese Seite ist viel wilder, wenig besiedelt, weniger sonnig, und mit tropischem Baumbestand bepflanzt. Es ist warm und die 20km sind für den Körper spürbar. Wir freuen uns endlich in Luino zu sein. Die Boote können an einem Sandstrand leicht ausgewassert werden. Einige Ruderer geniessen ein paar kühle Schwimmzüge im Lago Maggiore. Die anderen gehen direkt zum Restaurant. Auch diese Adresse kennt Alfred von früher und hat uns telefonisch angekündigt. Somit war ein 10-er-Tisch bereits für uns auf der Terrasse reserviert. Wiederum sind alle mit der Auswahl der Speisen sehr zufrieden, und gestärkt machen wir uns auf die Rückfahrt.

Wir überqueren gleich den See bei ruhigem Wasser und rudern auf der anderen Seite, vorbei an Oggebio, Ghiffa. Der Samstag macht sich mit erhöhtem Motorbootverkehr bemerkbar und das Wasser wird auch in Küstennähe immer unruhiger und welliger. Wir müssen uns wieder durch heftige Wellen kämpfen, schöpfen das Wasser aus dem Boot, können knapp die schönen Villen und das Leben der Küstenbevölkerung bestaunen und geniessen. Das Wasser wird nicht ruhiger, im Gegenteil. Je rascher wir uns Verbania nähern, umso heftiger werden die Wellen. Aber mit Ruhe und vereinten Kräften meistern wir auch diese Situation. In Pallanza angekommen sind alle sichtlich glücklich und erleichtert, dass schlussendlich alles gut ging, und Boote und Mannschaften wohlauf sind.

Mit vereinten Kräften werden die Boote ausgewassert, das Wasser ausgeleert und gleich auf den Hänger verladen. Der Apéro auf der Terrasse ist eine willkommene Belohnung für die gemeinsam durchlebte Anstrengung. Die Zeit vergeht an diesem Tag wie im Flug, es ist bereits nach 20.00 Uhr. Kurze Erfrischung und Tenuewechsel im Hotel, und dann geht es zu Fuss zur Piazza für das letzte Abendmahl unserer Tour. Auch Dank Alfreds Ortskunde und Sprachkenntnissen finden wir wiederum ein sehr schönes gemütliches Lokal. Alfred ist sichtlich erleichtert und freut sich, dass die Tour so gut abgelaufen ist, und alle RuderInnen, und das Material, gut an Land gekommen sind.

Da nur die Schreibende am nächsten Tag noch rudern wollte, wird nach dem Frühstück am Sonntag das Gepäck in den Hänger verladen, die Boote festgemacht und nach einem letzten Capuccino geht es um ca. 11.00 Uhr in Richtung Schaffhausen. Die Fahrt führt uns der Küste entlang in die Schweiz. Es herrscht viel Verkehr. Wir hatten nicht an den Markt in Cannobio gedacht, so dass wir nur stockend vorwärts kommen. Wir können aber in Ruhe ein letztes Mal den Lago Maggiore geniessen und uns von dieser herrlichen südlichen Landschaft verabschieden. Endlich, nach fast einer Stunde wird der Verkehr in Richtung Ascona - Locarno flüssiger. Wegen Staumeldung am St. Gotthard entschliesst sich Thomy kurzerhand die San Bernardino-Route zu fahren. Der Verkehr ist hier fliessend und die Businsassen, die nicht schlafen, können als Kontrast zu den Vortagen die karge Bergwelt mit Tannen und Weiden bestaunen. Eine letzte Rast in der Raststätte Heidiland, und um ca. 18.00 erreichen wir das Clubhaus in Langwiesen. Auch hier wieder mit gemeinsamen Kräften und kollegialem Teamgeist werden Boote und Material gereinigt und ordnungsmässig gelagert. Der Bootsanhänger hat sich mit Ausnahme des elektronischen Lichtsystems auch bestens bewährt. Die zwei Ruderboote konnten einfach daraufgelegt werden. Ohne ab- und aufriggern ist auch das Be- und Abladen für Frauen einfach.

Einen riesigen Dank an Alfred als perfekten Chef und Organisator der Tour. Er hat sie akribisch vorbereitet seine früheren Erfahrungen, mit Lisbeth im Frühjahr 2011, einfliessen lassen. Auch einen grossen Dank an Thomas Spengler und Dario Gläss, die den Bus gefahren haben und an alle Teilnehmer der Tour. Es war eine wunderschöne Ruderwandertour, die man weiter empfehlen kann.

TeilnehmerInnen: Heidi und Peter Aregger, Margrit und Dario Gläss, Lilli und Thomy Spengler, Alfred Feichtinger, Regula Holenstein, Uli Neidhardt, Catherine Schneider.

Catherine Schneider